Heut nachmittag denk ich mal wieder über Bildung nach. Saß vorhin gemütlich auf dem gelben Sofa mit den blauen Pünktchen, Tass Kaff vor mir auf dem Ikea-Lack-Tischchen, Die Zeit über die Sofalehne gebreitet, und da gab es mehrere interessante Artikel zu dem Thema.
In der Politik-Rubrik "Staatsangehörigkeit: 'deutchs'", über ausländische Schüler in Deutschland und ihre Schwierigkeiten - und die Schwierigkeiten der Schule, sie besser zu fördern.
Auf der Chancen-Titelseite ein Bericht eines Journalisten bei der Aufnahmeprüfung der Hamburger Feuerwehr, die außer Sport, Physik und einer technischen Bildbeschreibung auch Mathe und Deutsch beinhaltet.
"Die Pisa-Studie hätten wir nicht gebraucht", sagt [einer der Prüfer] später zu mir. Das Bildungsniveau sei so finster, dass man die Fragen immer leichter machen müsse. "Das Abitur von heute ist wie ein Volksschulabschluss früher", seufzt er durch seinen Bart, "seien Sie froh, dass Sie Ihr Abi vor 15 Jahren gemacht haben."
Ich hab mein Abi 1980 gemacht. Kann ich wohl froh sein. Und darüber, daß ich aus einem Leserattenhaushalt komme und unsere Eltern Wert auf korrekte Sprache legten. (Mein Vater war Journalist, hat sich schon vor 20 Jahren jeden Morgen bei der Lektüre "seiner" Tageszeitung über die ungenügende Sprachfertigkeit und schludrige Recherche mancher Kollegen aufgeregt, und dreht sich sicher immer noch jeden Morgen im Grab rum.)
In meiner Abiklasse waren etwa 65 Schüler und Schülerinnen, alle miteinander Deutsche. Ich hatte ein paar italienische und türkische Bekannte in meiner Clique und bei der Arbeit in der Kerzenfabrik, oder iin den diversen Pizzerien, in die wir abends gingen. (Griechische oder türkische Restaurants oder Läden gab es damals im badisch-sibirischen Walldürn und Buchen noch nicht. .... Oder kannte ich sie nur nicht? Könnt natürlich auch sein.)
Komisch, sogar in der Grundschule hatte ich aussschließlich deutsche Klassenkameraden. Und während meiner ganzen Zeit am Gymnasium kann ich mich an keinen einzigen ausländischen Mitschüler erinnern.
Das ist heute sicher anders. Gaetano, der beste aller Mitbewohner, in Deutschland aufgewachsener Italiener und ein gutes Dutzend Jahre jünger als ich, hat mir mal seine Abizeitung gezeigt - da waren schon recht viele Italiener, Türken und Griechen dabei. Und zu seinen besten Freunden aus der Münchner Studentenstadt zählen zwei Türkinnen - die eine studiert Medizin, die andere Theaterwissenschaften. (Hallo Duygu! Hallo Mehtap! An dieser Stelle einen ganz lieben Gruß an euch.)
Ja. Was wollt ich jetzt eigentlich sagen über Bildung? Weiß auch nicht.
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